Am Montag 18.09.2017 fand eine Sondersitzung des KJR zur Stellenbeantragung und dem Ergebnis der Kreistagsentscheidung vom Juli statt. Leider erklärte Stefan Wiedenmann, langjähriges Vorstandsmitglied und ein wrklicher Macher in Sachen Jugendarbeit, seinen Rücktritt. Hier ein Bericht der Schwäbischen dazu. Wir geben aber nicht auf, weil die Sommerpause und viele positive Rückmeldungen uns als Dachverband in unserer Meinung bestärkt haben, dass es richtig ist, diese Stellen weiterhin einzufordern.
Um auch von den Bundestagskandidaten des Wahlkreises zu erfahren, wie sie dazu stehen, haben wir diese gleich am Montag nach der Sitzung angeschrieben, mit der Bitte um Stellungnahme. Diese Stellungnahmen werden wir, wie den Kandidaten angekündigt, hier veröffentlichen. Auch Kommentare, die wir vielleicht von Lesern der Schwäbischen bekommen.

Noch in der Nacht auf Dienstag hat Frau Reinalter von den Grünen geantwortet:

Lieber Herr Heinzel,

ich bin wirklich auch betroffen und sehr enttäuscht über die Entscheidung des Kreistags.
Ich würde mich freuen, wenn wir nochmal zusammen kämen und wenn wir eine weitere Chance für die 2,5 Stellen auf den Weg bringen könnten.
Wären Sie denn an einem Gespräch mit unserer Zählgemeinschaft (Frauen, Grüne, ÖDP) interessiert?
Immerhin sind leider auch in unseren Reihen Kreistagsmitglieder, die der Vorlage nicht zugestimmt haben.
Uns Frauen – tut es wirklich leid! Und wir setzen uns gern nochmal mit Ihnen ein um unsere Kollegen zu überzeugen.

Viele Grüße – Anja Reinalter

Am Donnerstag 21.09. antwortete Martin Gerster wie folgt:

Sehr geehrter Herr Heinzel,

für mich ist unverständlich, dass die Mehrheit des Kreistages – entgegen der Position der SPD – den Kreisjugendring nicht stärken möchte. Die Jugendverbände sind ein tragender Pfeiler unserer Jugendarbeit und sie leben vor allem durch das ehrenamtliche Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger. Doch darf dieses nicht im Interesse der Wirtschaftlichkeit missbraucht werden. Freiwilliges Engagement muss einerseits angemessen gewürdigt und darf andererseits nicht zweckentfremdet werden.

Das Ehrenamt darf öffentlich zu erbringende Leistungen nur ergänzen, nicht ersetzen; deshalb muss es zusätzlich zu den Ehrenamtlichen auch Hauptamtliche geben, die das Ehrenamt stärken und eine zukunftsfeste Basis schaffen. Diese Basis wäre mit einer hauptamtlichen Geschäftsstelle für den Kreisjugendring gegeben, für die Verwaltung und Kreisjugendring ein schlüssiges, erfolgversprechendes Konzept vorgelegt haben. Es war Ergebnis eines langen Prozesses und wurde von allen getragen. Dies sah so auch der Jugendhilfeausschuss, besetzt mit sach- und fachkundigen Mitgliedern, und empfahl dem Kreistag mehrheitlich, dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zuzustimmen.

Die Kinder- und Jugendverbände decken grundsätzlich wichtige Aktionsfelder ab, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen ermöglichen. Sie sind Plattformen des selbst organisierten Engagements und geben jungen Menschen Gestaltungs-, Teilhabe- und Entscheidungsoptionen, die diese sonst nicht haben. So wirken sie als Werkstätten der Demokratie, in denen junge Menschen Fähigkeiten und Haltungen, die im weiteren Leben nötig sind, nicht nur theoretisch lernen, sondern auch ganz praktisch erfahren.

Orte der Kinder- und Jugendarbeit gehören deshalb genauso wie Kitas und Schulen zur Grundversorgung und sollten erhalten und ausgebaut werden.

Der Antrag der CDU-Kreistagsfraktion in seiner jetzigen Form ist für mich deshalb nicht überzeugend. Er ist nicht schlüssig und geht an unserem beabsichtigten Ziel, den Kreisjugendring und somit die Jugendarbeit im Kreis effektiv zu stärken, vorbei. Auch widerspricht er §4 des Sozialgesetzbuches (Achtes Buch – Kinder- und Jugendhilfe), der dem Subsidiaritätsprinzip nach besagt, dass, soweit geeignete Einrichtungen, Dienste und Veranstaltungen von anerkannten Trägern der freien Jugendhilfe betrieben werden oder rechtzeitig geschaffen werden können, die öffentliche Jugendhilfe von eigenen Maßnahmen absehen soll. Im Konzept des Kreisjugendrings werden gerade diese gesetzlichen Vorgaben sehr gut umgesetzt, in dem der CDU hingegen soll die öffentliche Jugendhilfe durch die verstärkte Ansiedlung der Jugendarbeit in der Landkreisverwaltung beim Kreisjugendreferat intensiver genutzt werden, was den öffentlichen Bekundungen nach Stärkung der Subsidiarität völlig zuwider läuft. Somit würde auf die Sachkunde des Kreisjugendrings verzichtet werden, obwohl dieser als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe seine qualifizierte Arbeit mit 2,5 eigenen Stellen hauptamtlich absichern könnte.

Ich hoffe, dass der Antrag des Kreisjugendrings und der Kreisverwaltung auf Unterstützung der verbandlichen Jugendarbeit im Landkreis mit einer hauptamtlichen Geschäftsstelle doch noch den nötigen Rückhalt bekommt. Vielleicht könnte das Konzept für die Zweifler anschaulicher werden, wenn es noch deutlicher an konkreten Aufgaben festgemacht würde.

Freundliche Grüße
Martin Gerster